Hochzeit im Kosovo war sehr schön

Dieses Jahr hat es endlich mal geklappt. Es hat urlaubsmäßig und finanziell geklappt, dass ich in den Kosovo fliegen konnte und dort die Hochzeit meines besten Freundes Agron miterleben durfte. :)
Joa, was erwartet man vom Kosovo. Eigentlich nicht viel. Bis Ende 2000 war da unten noch Krieg und viele Häuser gab es nicht mehr. Doch wenn heute also 2012 durch die Lande fährt. In meinem Fall also vom Flughafen in Prishtina in Richtung Gjakove, wo das Haus der Familie steht und auch schon eine richtige Stadt ist.
Das Haus war dann allerdings schon wieder etwas außerhalb von Gjakove und war auf einem Neubaugebiet gebaut.

Miredita (Hallo guten Tag)
Was an Kosovo sehr auffällig ist: Das gute und leichte Essen. Es gibt zwar auch überall Pizza (die auch gut schmeckt) und sogar Döner, aber auch gute Sachen wie Börek (Blätterteig mit Hackfleich gefüllt). Immer wenn es zu Hause Essen gab war dies auch sehr leicht gekocht. Viel kleingeschnittenes Gemüse mit beispielsweise Tschuk-Tschuk oder auch mal Fleisch drin. Dazu gab es immer Kastravec (Gurke), Pepperoni und eine nicht gerade milde Paprika. Aber scharf muss sein und mit viel Brot (Weißbrot) geht die Schärfe auch wieder schnell weg. Das war immer sehr lecker.

Was sonst noch erwähenswert ist: Im Rahmen der Hochzeit sind viele Verwandte und Nachbarn und Freunde vorbei gekommen und am Samstag auch gleich mal die Trommler. Es wurde sehr viel getanzt. Aber obwohl ich Ausländer dort war, wurde ich immer sehr herzlich aufgenommen. Eine Gastfreundschaft, die man auch in Deutschland bei vielen Ausländern antrifft und leider nicht immer bei den Deutschen.

Ansonsten war die Hochzeit auch sehr bemerkenswert. Am Abend davor kamen nochmals alle Verwandten zum Haus der Familie meines Freundes und haben dort zusammengesessen und auch viel getanzt. Das ging ziemlich lange. Erst gegen kurz vor Mitternacht gingen dann wieder die letzten Leute. Am Hochzeitstag ging es dann wieder früh los und es kamen wieder zuerst alle zum Haus und haben zur Musik der Trommler getanzt. Dann gab es schon Mittagessen und danach sind alle zum Ort von Agrons Braut gefahren (natürlich ohne Agron!) um die Braut zu holen. Dort angekommen sind wir kurz vorher ausgestiegen und nur die Männer sind hinter den Musikanten (aka den Trommlern und dem Flötenmenschen) in einer Reihe hinterher gelaufen um den Männern der Brautfamilie die Hand zu reichen und dort im Schatten zu verweilen. Im Schatten angekommen haben dann noch 4 Leute aus Agrons Verwandtschaft getanzt und 4 Leute aus der anderen Verwandtschaft getanzt. Zur Abkühlung gabs noch Cola und Wasser und wer wollte eine Zigarette. Und in einem großen Zelt haben die Frauen und die anderen Verwandten der Braut noch den Abschied gefeiert. Da war auch schon ein Sänger dabei mit der Musik die man eben mit dem Kosovo verbindet oder kennt, wenn man albanische Freunde hat. ;)
Dann ging die Reise schon wieder zurück zu Agrons Haus, wo nochmal die Ankunft der Braut gefeiert wurde und sich alle Leute von der Braut mit Reis bewerfen ließen. Kurze Zeit später haben die sich die meisten auch schon wieder auf den Heimweg gemacht und es war nochmal eine kleine Pause dazwischen. Abends ging es dann wieder weiter in einem großen Raum, der extra gemietet wurde und was wurde wohl gemacht: Richtig getanzt.
Ich habe mich die meiste Zeit mit dem Tanzen zurückgehalten, da ich es einfach nicht so gut kann. Aber irgendwann wurde ich eben auch aufgefordert einfach mit zu tanzen. Das war dann letzendlich auch ganz ok. So war der Hochzeitstag auch erst gegen 2Uhr morgens am nächsten Tag zu Ende. Das reicht dann auch irgendwie… ;)

Also wenn ich mal heirate, mach ich das zwar nach deutscher Art und vermutlich auch noch mit kirchlicher Trauung. Aber dann wird auf jeden Fall auch getanzt werden. Ich kanns zwar noch nicht, aber dann lerne ich es eben mit meiner Frau. :) Weil die ganzen langweiligen Sketche und das ewige Herumgesitze nervt doch auf Dauer.

Am letzten Tag (Freitag) war dann das Haus von Agron wieder relativ leer. Da war nur noch Agrons Familie da und somit war auch mal Zeit ein bisschen die Stadt anzuschauen. Und was ich recht bemerkenswert fand, war die Art der Verkabelung. Das soll mal als Beispiel dienen, wie es manchmal noch in der Altstadt von Gjakove aussieht.

Insgesamt war es eine schöne Zeit im Kosovo und ich werde auf jeden Fall nochmals hinfahren und nächstes Mal mir noch ein paar andere Städte zeigen lassen. Das war dieses Jahr einfach nicht drin, da eben die Hochzeit im Vordergrund war. Wobei ich die Hochzeit auch sehr klasse fand. Das Land lohnt sich auf jeden Fall zu besuchen. Wer sich auch ein bisschen auf die Sprache einlässt wird noch einige schöne Flecken entdecken. Denn landschaftlich ist der Kosovo fast wie mit Korsika zu vergleichen, nur etwas weniger Hügel und Kurven. :)

Ditemir (Guten Tag und auf Wiedersehen) und Felemert (Danke) fürs Lesen.
Ich habe vor bis zum nächsten Mal etwas Kosovo-Albanisch zu lernen und habe mir dazu extra ein Buch gekauft. Aber nach einem Blick hinein ist mir doch anders geworden. Die Sprache ist doch sehr schwer…