Die Polizeireform, die Rettungsdienstreform und die Feuerwehr geht leer aus

Wie mittlerweile jeder mitbekommen hat, wird in Baden Württemberg eine Polzeireform geplant. Im Rahmen dieser Reform sollen die einzelnen Polizeidienststellen weg rationalisiert werden, wie unter anderen die Stuttgarter Nachrichten berichten. So dass es statt bisher 37 Stellen nur noch 12 oder noch weniger Stellen geben wird. An und für sich ist das ja ganz ok. Wer braucht schließlich schon die Polizei? Die Verbrechen gehen scheinbar laut Gall zurück und daher kann man ruhig die lokale Sicherheit etwas kleiner gestalten. Andererseits gibt es dadurch wieder mehr Streifenpolizisten.
Doch eigentlich will Gall nur die Landkreise abschaffen und nimmt als Vorwand dafür die Polizeireform. Doch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Durch Galls Idee, kommen nun auch die Krankenversicherungen wie die AOK auf die Idee, dass man ja die 41 Rettungsdienstleitstellen auf 12 regionale Leitstellen einschrumpfen können. Das ist natürlich sehr sinnvoll, schließlich braucht man dadurch viel weniger Personal. Doch ich finde die Idee mehr als kritisch! Aktuell ist es so, dass der Landkreis Calw seine eigene Leitstelle hat. Dort werden neben dem Rettungsdienst mit Krankentransport und Notfällen auch die ganzen Notfälle für Feuerwehreinsätze abgewickelt. Wird ein Notfall gemeldet, werden von dem zuständigen Disponenten die zuständigen Rettungsdienste und auch die Feuerwehrangehörige alarmiert. Diese Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienst und der Feuerwehr funktioniert hervorragend, was vielleicht auch daran liegt, dass man sich untereinander eben kennt.
Geht es nach der AOK Baden Württemberg wird es in Zukunft dann so sein, dass die Landkreise Calw, Böblingen und vielleicht auch Freudenstadt eine einzige gemeinsame Rettungsdienstleitstelle bekommen. Für die Rettungsdienste alleine mag dies vielleicht in Ordnung sein. Wer soll aber die Feuerwehr damit abdecken? Die jetzige Leitstelle in Calw kennt die lokale Feuerwehr mit ihren Stärken und Schwächen sehr gut. Das kommt eben aus der langjährigen Zusammenarbeit untereinander. So weiß der Disponent eben auch genau, welche Fahrzeuge er anrücken lassen muss und welche Nachbarwehren zur Hilfe gerufen werden können.
Daher teilen sich momentan die Krankenkassen (für die Rettungsdienste) und der Landkreis (für die Feuerwehr) jeweils zur Hälfte die Kosten für Leitstellen und die Besatzung. Somit ist momentan die Feuerwehr entlastet und kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Nämlich zum Einsatzort fahren und Menschenleben retten.

Sollte die Reform kommen, wird die Situation für die Feuerwehr deutlich schlechter. Eine Alarmierung wird durch die größere Leitstelle in Böblingen vermutlich weiterhin durchgeführt. Allerdings muss die lokale Stützpunktfeuerwehr in Zukunft dann wieder eine eigene Leitstelle unterhalten und im Katastrophenfall somit selbst alle Kräfte zum Einsatz schicken. Das bedeutet eine deutliche Verschlechterung der Infrastruktur und mehr Aufgaben für die freiwilligen Feuerwehren. Sollte dann wirklich mal eine Katastrophe eintreten wird die eine Leitstelle sicher überfordert sein. Schließlich sind statt wie bisher 3 Leitstellen nur noch 1 Leitstelle mit vermutlich gleicher Anzahl an Personal wie bisher bei einer Leitstelle vorhanden und die können unmöglich alle Anrufer gleichzeitig entgegen nehmen.
Das es bisher schon gut funktioniert die Leitstellen untereinander zu vernetzen zeigt der Artikel der Südwestpresse über Bad Mergentheim und Schwäbisch Hall.

Daher fordere ich: Lasst die Leitstellen so wie sie jetzt sind! Sie funktionieren aktuell gut und wir können unsere Aufgaben im Ernstfall durch „freiwillige“ Feuerwehrleute und hauptamtliche Rettungskräfte gut erfüllen. Eine Reform durch Streichung einiger integrierter Leitstellen würde die Alarmierung und Erreichbarkeit für Hilfebedürftige sicher deutlich erschweren. Es heißt deshalb Freiwillige Feuerwehr, weil sich Leute bewusst freiwillig in den Dienst der Feuerwehr stellen um Menschen in Not zu helfen. Sie sind aber genauso Menschen wie jeder andere und arbeiten tagsüber an ganz normalen Arbeitsplätzen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Sie bei Alarmierung durch Funkmeldeempfänger zur Feuerwehr gerufen werden und von dort mit dem Feuerwehrauto zum Einsatzort fahren. Ich bin mir sicher, dass jeder Bürger im Notfall (sei es ein Wohnungsbrand oder ein Autounfall) die kompetente Hilfe der örtlichen Feuerwehren und des Rettungsdienstes zu schätzen weiß.
Daher: Lasst es nicht zu, dass die Rettungsdienstleitstellen zusammengelegt werden!

Quelle des Bildes: Feuerwehr Bad Wildbad, Artikel