Auswahlverfahren zum mittleren Dienst der Polizei

Am Dienstag war es soweit: der Tag meiner geistigen, körperlichen und charakterlichen Überprüfung stand bevor. Aus Pünktlichkeitsgründen und der Sorge, zu spät zu kommen, bin ich schon um 5 Uhr aufgestanden und um 6:15 Uhr letztendlich losgefahren.
Die Strecke war nicht allzu groß und mit dem Navi bin ich dann auch 20 Minuten vor der Begrüßung angekommen. Wobei die Ankunft für mich persönlich schon aufregend war: ich bin bis zur Schranke gefahren, nach kurzer Identifikation wurde mir dann mitgeteilt, wo ich parken solle, die Schranke wurde geöffnet und ich hab mein Auto dann abgestellt.
Toll fand ich, dass ich zeitgleich mit einem anderen Bewerber angekommen bin, sodass ich mich mit ihm schon mal ein wenig austauschen konnte. Nachdem das Auto abgestellt war, bin ich mit ihm dann nochmal vor zur Schranke gelaufen, und hab mich mit ihm am Häuschen nebenan angemeldet. Darauf wurde uns dann gesagt, wo wir letztendlich parken sollten.
Gesagt, getan: Auto umgeparkt und in den Warteraum gegangen. Zur pünktlichen Zeit kam dann der Prüfungsaufseher und bat uns, ihm in den Prüfungsraum zu folgen. Insgesamt waren wir an diesem Tag 15 Bewerber/innen.
Nach einer kurzen Begrüßung ging es dann auch los: zuerst mit dem Diktat, dann folgte der Sprachverständnistest mit einem Fragenkatalog von 30 Multiple-Choice-Fragen und nachdem ich die beiden Tests bestanden hatte, folgte der computerunterstützte Intelligenztest.
Das Diktat hatte meiner Ansicht nach nur ein schwieriges Wort, und das lautete richtig geschrieben „Massenkarambolage“. Der Fragenkatalog beinhaltete zum großen Teil nur Redewendungen und umgangsprachliche Sätze. Nur der Intelligenztest hat mich nach der Abgabe ins Zweifeln gebracht, weil eben nicht jede Aufgabe unbedingt leicht und schnell zu lösen war. Doch auch den habe ich bestanden – genauso wie noch acht weitere Bewerber und eine Bewerberin.
Danach gab es erst mal eine kurze Wieder-wach-werd-Pause, bis wir zur Sporthalle geführt wurden, um den Sportleistungstest zu absolvieren. Dort gab es auch wieder eine genaue Einführung in jede Aufgabe sowie 12 Minuten Zeit zum Aufwärmen. Es waren drei Aufgaben zu bewältigen – in folgender Reihenfolge: erst der Koordinationstest, bestehend aus einem Parcours, den man in 17, jedoch maximal 18 Sekunden durchlaufen/-kriechen musste; dann, der Schnelligkeitstest, bei dem man Ecken zackig umlaufen musste, um die geforderte Zeit von 13,2 Sekunden zu schaffen; und der Ausdauertest, bei dem man in der Halle 2,475 km in 12 Minuten zurücklegen musste.
Da ich in alphabetischer Reihenfolge der Erste war, durfte/musste ich anfangen. Beim Koordinationstest hat es beim ersten Versuch gehapert, d.h. ich bin einmal um ein Kastenteil herumgelaufen, statt drüber zu hüpfen. Beim zweiten Versuch hat es dann aber geklappt: 17,2 Sekunden. Den Schnelligkeitstest hab ich in 12,6 Sekunden geschafft. Nur beim Ausdauertest hatte ich nach den ersten zwei Runden dermaßen Seitenstechen, dass ich dachte, jetzt sei es aus. Aber ich hab mir immer wieder meinen größten Traum, Polizist zu werden, ins Gedächtnis gerufen und dann hat das auch geklappt. Die anderen meinten anschließend, sie hätten es mir zu verdanken, dass sie den Ausdauertest bestanden haben. Denn ich hab das entsprechende Tempo vorgelegt, das man gebraucht hat: nach 11:30 Minuten war ich fertig und „fix & fertig“. Dass ich beim Ausdauertest nicht so fit war, lag höchst wahrscheinlich daran, dass ich davor nichts gegessen hab und in der Halle laufen musste. Bei besseren Wetterbedingungen hätte er regulär auf der Bahn stattgefunden.
Nachdem ich mich dann erst mal völlig erschöpft auf die Bank setzen wollte, hat mir die Prüfungsaufseherin für den Sportteil jedoch mitgeteilt, dass ich den gesamten Sporttest an einem anderen Tag nochmal wiederholen müsse. Ich hab dann erst mal gar nicht verstanden, was sie mir damit sagen will. Die Begründung kam jedoch kurz darauf: ich bin beim Koordinationstest in den Grenzbereich gerutscht, der zwischen 17,0 und 18,0 Sekunden liegt. Mit 17,2 Sekunden muss ich den Test wiederholen? Wegen 0,2 Sekunden Differenz? Ok, klar – mach ich doch gerne.
Tja, und jetzt laufe ich (wie drei Wochen vor dem Test auch schon) alle zwei Tage meine 6 km (je 2 mal 3 km mit einer kurzen Pause dazwischen) im Wald, um beim nächsten Mal noch fitter zu sein. Jedoch muss ich mich auch noch darum kümmern, dass ich nach dem Sportunterricht der Schule immer noch einige Minuten den Koordinations-Parcours aufbauen und üben darf.
Dann bestehe ich den Sporttest bei der Wiederholung hoffentlich auch noch.
Gleichzeitig darf ich aber auch nicht vergessen, mich mental auf das Auswahlgespräch, dem multimodalen Interview vorzubereiten. Denn auch der Test kann meinen Traum vom Polizeiberuf noch verwerfen.
Also, auf einen neuen Versuch!

Wen die ausführlichen Informationen zum Auswahlverfahren der Polizei in Baden-Württemberg interessieren, darf sich hier erkundigen.

Autor: Micha

Bruder von Tobias, hat mehr als einen Vogel in seinem Zimmer und spielt gerne Keyboard. In seiner Freizeit zeigt er auch den Kindern in der Jungschar, wo es lang geht.

14 Gedanken zu „Auswahlverfahren zum mittleren Dienst der Polizei“

  1. Wow! Ich drück die Daumen, dass du den zweiten Sporttest und alles andere gut meisterst. Immer dran denken: Wenn man etwas wirklich will …

  2. Meine kleine Schwester ist auch Bullin. Die Test waren wohl ziemlich hart, aber auch der Psychotest. Insofern denke ich, daß da auch Qualität bei rumkommt. Meine Erfahrungen mit der Polizei in NRW sind auf jeden Fall sehr gut. Ich drücke Dir die Daumen!

      1. Schätze ich auch, wobei ich auch mit viel Essen nicht unter die Grenze kommen würde.

        @Micha: Gehört auch Schwimmen zu deinem Übungsplan? Ich bin in drei Wochen wieder im Schwabenland, dann könnte man ja mal wieder schwimmen (auch @Tobi)

        1. @Manuel: Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne wieder mit Schwimmen. Meistens halt dann Freitags, oder eben mal nachmittags (Überstundenabbau, wenn möglich!). Ist sowieso sinnvoll, auch für die Statistik.

        2. Schwimmen gehört glücklicherweise nicht dazu, was nicht heißen soll, dass ich das ganz ablehne. Aber du weißt ja selbst, wie schnell und fit ich darin bin. Ab und zu macht es Spaß, aber nicht jede Woche.
          Aber ich hab der Bewerbung vor einigen Monaten einen Schwimmnachweis beifügen müssen, in der vom Bademeister beglaubigt wurde, dass ich 200 m unter sechs Minuten (5:37) zurückgelegt hab. Ich bin so gut – yeah!

  3. Ich versteh zwar nicht, wie jemand Polizist werden will, finde es aber gut, dass es solche Menschen gibt. Daher wünsche ich Dir viel Erfolg bei zweiten Test.
    Gruß
    Fulano

  4. Intelligenztest? Diktat? Koordinationstest? Konditionstest?

    Wo bleiben denn bitte die SCHIEßÜBUNGEN? Make my day, peng, peng, hallo? Ich hab noch nie einen Polizisten über Kisten springen sehen, kann mir nicht vorstellen, dass ihr das da draußen wirklich braucht. Dagegen die Schießübungen, ahhh…

    Generell muss ich zugeben, dass ich mit Polizisten bisher überwiegend schlechte bis schmerzhafte Erfahrungen gemacht habe. ABER ICH BIN JA NICHT NACHTRAGEND, GELL?

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