Meine Bandit verkauft

Heute hab ich tatsächlich meine Bandit verkauft. Gut zuletzt stand sie tatsächlich auch mehr in der Garage als ich sie gefahren habe. Das war eh schon klar, als ich letztes Jahr meine Tiger geholt habe. Ich hab sie hauptsächlich noch behalten, weil ich dieses Jahr noch damit auf der Rennstrecke gefahren bin. Und mal ehrlich. Eine Tiger auf der Rennstrecke? Das wär doch irgendwie komisch. Mitmachen würde sie es sicherlich, aber das Knie auf den Boden?
Trotzdem hab ich die Bandit auch dieses Jahr noch gut gepflegt. Im Juli stand der TÜV an, der das Lenkkopflager bemängelt hat. Tatsächlich ein neues Lager und sie fährt sich wie neu. Da war es echt geschickt, dass ich da einen Bekannten hatte, der mir netterweise das Lenkkopflager während seiner Kurzarbeitsphase gewechselt hat. :)
Die Stahlflexleitungen für die Bremsleitungen habe ich dann fast selbst getauscht. Aber netterweise hat mein Nachbar zugeschaut und dann doch mitgeholfen. Sonst wär ich echt verzweifelt. Das Wechseln der Bremsflüssigkeit war auch eine spannende Sache, aber eigentlich mit dem Rückschlagventil keine große Sache mehr. Ist eigentlich wie überall: Wenn man nicht ganz ungeschickt ist und jemand zuschaut mit ein paar Tipps dazu, ist vieles relativ einfach zu machen. Diese Tipps braucht man aber auch erstmal. ;)

Ich hatte schon vor einem Monat Bilder von der Maschine gemacht, bevor ich sie Ende Oktober in die Garage gestellt habe. Aber erst diesen Freitag kam ich dazu mal eine Anzeige zu stellen. Ich hatte echt nicht erwartet, dass doch relativ schnell jemand antwortet. Ich hatte sie für 1000 Euro angesetzt, wollte aber mindestens 500 haben. Die Maschine hat einfach einige Kratzer und die Deckel sind nur notdürftig geflickt. Das Topcase ist zwar da, aber der Soziusgriff ist gebrochen. Wenn man Zeit und Muse hat kann man das alles relativ leicht ersetzen. Jo, dann hat sich jemand gemeldet und mir gleich 500 Euro geboten. Ich hatte den dann noch auf 550 gehandelt und heute hat er sie abgeholt. Extra aus Mülheim an der Ruhr angereist. Vor Ort hat er sie angeschaut und erstmal auf 430 Euro gehandelt. Gut, dann hätte er gehen können. „Jo aber wissen Sie, wir haben so einen großen Anfahrtsweg. Der Transporter und der Sprit.“ Ich bin dann letztendlich auf ihr ursprüngliches Gebot von 500 Euro runter. Die Maschine hätte auf der DAT-Schwacke wohl noch 410 Euro gegeben, da bin ich mit meinen 500 Euro immer noch zufrieden. Der übliche „Letzte Preis“ Kommentar war natürlich auch dabei. „1000 Euro“ – „LETZTE!“
Fahrtechnisch ist die Bandit in Ordnung. Der Motor gibt seine Leistung. Vielleicht kommen demnächst mal die Ventile, aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Allerdings hat sie doch auch ein paar Roststellen. Die Kette kommt auch bald wieder. Die Reifen sind nicht mehr ganz frisch. Jo, ich hatte die Maschine im Februar einem Kumpel geliehen. Der ist damit gefahren, hat sie aber nicht gepflegt. So war dann der ganze Salzrost dran, was sich dann doch etwas gerächt hat. :( Aber ansonsten läuft sie einwandfrei. Ein bisschen warten, bis sie warm ist. Wie alte Vergaser eben so sind. Etwas Öl nachfüllen alle 1000 km und gut ist. Die Batterie ist auch recht einfach. Jetzt war sie wegen der Kälte in der Garage doch etwas zu schwach um sie zu starten. Aber nach einer Stunde am Ladegerät ist sie auch ohne Probleme angesprungen. Eine Bandit eben. Noch relativ einfache und zuverlässige Technik.

Ich die Maschine 2016 im August mit etwa 43.000 km gekauft und jetzt mit 87.000 km verkauft. Etwa 10.000 km pro Jahr ist nicht schlecht als Schnitt. Sie hat auch einige Länder gesehen. Und am Ende auch noch die Rennstrecke. Dass sie auf den Bildern sogar wieder ein bisschen glänzt macht mich sogar ein bisschen stolz. Bis auf die rostigen Stellen hab ich wieder relativ viel sauber bekommen.

Irgendwie war es auch ein komisches Gefühl die Maschine nun wegzugeben und dann auch noch für relativ wenig Geld. Aber andererseits bin ich froh sie auch los zu sein, weil ich damit eh nur wieder geblitzt worden wäre.

Und jetzt hab ich wieder Platz für eine neue, alte Gebrauchte. Diesmal eine Rennsemmel, die ich nur für die Rennstrecke nutzen will. Mal schauen, was da so gibt. Ne 750 Gixxer, R6, R1 oder ne Blade? Oder was italienisches? Mal schauen, was nächstes oder übernächstes Jahr in der Garage steht.

Bis dahin freu ich mich weiter über die Tiger und lerne damit besser fahren. Zumindest kein weiterer Unfall damit, wie diesen Frühjahr.

Als Erinnerung noch ein paar Bilder meiner Bandit, wie sie zum Schluss aussah.

Erste 800 km mit meiner Tiger 1200 Desert

Ab dem 1. April durfte ich nun endlich mit meiner neuen Tiger 1200 Desert fahren. Zuerst hatte sie leider etwas Startschwierigkeiten, weil ich sie im Februar mal habe laufen lassen aber nicht gefahren bin. Aber einmal kurz Starthilfe gegeben und sie lief wunderbar. :)
Deshalb bin ich am Donnerstag mal die übliche Route gefahren. Erzgrube, Ruhestein, Herrenwies runter, Rote Lache, Schloss Eberstein und wieder zurück über die Rote Lache (die ich dann nochmal hoch und runter gefahren bin) um über Achern nach Oppenau zu kommen. Dabei hab ich eine Nebenstraße entdeckt und bin an den Allerheiligen wieder rausgekommen. Dann noch die Zuflucht hoch und irgendwann war ich wieder zufrieden daheim. Der 3-Zylinder ist einfach genial. Die Tiger legt sich wie ein Fahrrad in die Kurven und der Kurven sagt beinahe: „Los komm schon, da geht noch mehr.“
Ich bin mir nicht ganz sicher wie gut die Reifen nun schon eingefahren sind, aber der kupferfarbene Streifen an den mittleren Seiten ist endlich wieder weg. Der Reifen ist trotzdem noch sehr glatt und kaum rau. Aber wenn die Zahlen von Calimoto stimmen ist doch eine ordentliche Schräglage dabei gewesen. Das Handy ist mittig am Lenker montiert, also normalerweise recht gut positioniert.
Das Wenden ist noch etwas schwierig, da sie doch recht schwer ist und ich es noch nicht ganz raus habe sie eng zu führen. Es sollte aber machbar sein. Die Sitzposition ist aber genial. Kaum gebückt. Die Hände könnte minimal noch etwas erhöht sein, aber das lass ich vielleicht auch einfach so. Der Aufwand für eine Lenkererhöhung kostet auch wieder Geld.
Vom Fahren ist die Maschine einfach genial. Man hat echt in jedem Drehzahlbereich sofort Leistung. Klar in den Kurven im Wald fährt man auch mal gerne den 2. Gang aus und ist dann auch mal kurz bei 9500 U/min. Es ist aber auch gut möglich jemanden im 5. Gang bei läppischen 2500 U/min zu überholen. Die Kiste hat immerhin 122 Newtonmeter bei 141 PS und 1215 ccm. Zum Vergleich meine Bandit hat 98 PS und 91 Newtonmeter bei 1157 ccm. Gewichtsmäßig liegt die Tiger bei 270 kg und die Bandit bei 230 kg.
Der einzige Unterschied: Mit der Bandit bin ich ruckzuck bei 180 km/h gewesen und hab es kaum gemerkt. Mit der Tiger will ich eher gemütlicher bis maximal 160 km/h fahren. Dafür ist die Tiger in den Kurven deutlich angenehmer. Sie legt sich einfach gut rein und dank dem Blibber macht das Schalten auch richtig Spaß. Einfach nur Hochschalten und weiter Gas geben. Geht rein wie Butter.

Am Samstag wäre normalerweise wieder ein Baustellentag gewesen. Aber da mir kurzfristig abgesagt wurde, dass keine Hilfe gebraucht wird hab ich spontan eine Runde in den Schwarzwald runter bis Wolfach gemacht. Erstens bin ich da unten doch eher selten und zweitens gibt es dort neben dem Schmalzer Hüsli (ein schönes Restaurant, wo ich leider nie einkehren konnte) auch einen sehr coolen Pass. Von Oberwolfach in Richtung Oberprechtal geht es dann in Richtung Elzach und später nach Schonach. Das ist einfach gigantisch toll. Mittendrin gibt es auch ein leckeres Restaurant, aber wegen Corona ist aktuell ja leider alles geschlossen.
Dafür habe ich in Wolfach mal angehalten und mir ein Eis gegönnt. Dabei bin ich mit ein paar Schweizern ins Gespräch gekommen. Sie wollten ursprünglich auch mal eine Triumph kaufen. Aber weil der BMW Händler näher war, haben se sich doch für eine BMW GS entschieden. Ich weiß nicht, schlecht sind die GS alle nicht. Aber erstens hat se halt jeder und zweitens find ich den Motor echt bescheiden. Der ruckelt beim Schalten immer so stark und ist halt ein Zweizylinder. Mir macht der 3-Zylinder einfach mehr Spaß und man sieht die Triumph tatsächlich seltener. Die GS Fahrer waren aber auch offen für andere Moppeds. Einer hatte vorher eine MT-09 gefahren und war auch zufrieden. Fürs Touren ist der Kardan aber halt doch angenehmer. Keine Kette mehr schmieren. ;)
Egal was jeder fährt: Es muss zu einem passen und man muss mit der Maschine klar kommen. Egal ob das nun eine Rennsemmel, ein Sofa (Harley), Einbauküche (Goldwing) oder eben eine Reiseenduro (Africatwin, GS oder ne Tiger). Alle haben ihre Vor und Nachteile und machen auf ihre Art Spaß.
Am Ende des Tages lohnen sich auch immer wieder Probefahrten. Selbst mein Bruder der mit seiner RT super zufrieden ist meinte zu meiner Tiger: „Ui die Gänge gehen ja butter weich rein.“ Ich kam mit seiner RT auch gut um die Kurven, aber die Schalterei war doch wieder etwas anstrengend. Kupplung ziehen, hochschalten, kurzes Gewackel.

Egal: Ich will dieses Jahr noch einige Motorräder mal Probefahren. So eine Trident 660 hätte was oder eine Speedtriple. Oder mal die R18 von BMW oder eine GS 1250. Und wenn alles klappt muss ich mal die RSV4 von meinem Nachbarn fahren. Einfach um zu sehen wie schwer die sich tatsächlich fahren lässt.

Das beste Motorrad nützt aber nichts wenn man nicht fahren kann. Ich muss mich weiterhin trauen in die Kurven zu fahren. Das geht mit der Tiger deutlich einfacher. Sie ist größer und hat einen besseren Neigungswinkel und mehr Bodenfreiheit. Trotzdem merk ich bei Regen oder leichter Feuchte immer noch wie ich stark bremse. Das ist dank ABS nicht mehr so krass schlimm, aber verhindert am Ende auch keinen Sturz wenn ich nicht mehr loslassen würde. Daher: Fahren und auch mal kleinere Kreise fahren um das Motorrad gut kennenzulernen.

Viel Spaß beim Fahren. Ich werde meinen Spaß nun ein paar Jahre mit der Tiger haben. Mal schauen vielleicht sind ja auch mal 45 Grad Schräglage drin. Die Reifen „Metzeler Tourance Next“ passen jedenfalls super zur Tiger bei Straßen mit leichten Schlaglöchern.

Motorrad Probefahrten

Nachdem ich seit August 2016 meine Bandit von 2001 habe, spiele ich immer wieder mit dem Gedanken ein reisetauglicheres Mopped zu kaufen. Die Sitzposition ist auf langen Fahrten einfach nicht ideal und die Halterung am Heck ist leider schon bei der ersten Reise abgerissen. ;)
Ich wollte eine Enduro um aufrecht zu sitzen. Also bin ich in den letzten Wochen ein paar Moppeds Probe gefahren. Zuerst die GS von meinem Nachbarn. Ja, ganz angenehmes Mopped, aber das Schalten ist doch gewöhnungsbedürftig. Der Motor ist etwas ruppig. Ansonsten fühlt man sich halt gleich wie der König der Straße. Einmal auf den Tacho geschaut: „Oh schon 140, fühlt sich an wie 80. ;) “ Aber der Nachteil der GS ist halt auch. Sie ist sehr oft verbreitet. Jeder „Depp“ hat sie und das finde ich schade. Meine Bandit sehe ich zwar auch hin und wieder, aber lang nicht mehr so oft. Gut mein Modell sowieso selten, weil sie auch fast 20 Jahre alt ist. Und sie ist auch sehr teuer. Dafür hat sie einen Kardan Antrieb, was wieder toll ist und man endlich keine Kette mehr fetten muss. Aber naja der Zweizylinder taugt mir irgendwie nicht.

Also bin ich mal nach Stuttgart zum Triumph Händler gefahren und wollte die Tiger 1200 fahren. Leider hatte er damals gerade keine da. Aber dafür die Tiger Sport 1050, welche auch den 3 Zylinder drin hat, aber leider Kette. Was soll ich sagen. Der 3 Zylinder macht Spaß, selbst mit der Kette war es geil und es fährt sich wie ein Fahrrad. ;)

Einige Zeit später konnte ich dann mal die Yamaha MT-09 Tracer GT fahren. Auch ein schöner 3-Zylinder, der auch gut dreht mit 900 ccm, aber leider doch etwas klein für mich ist. Bin in der Probefahrt sehr oft mit dem Fuß an der Straße gestreift. Wäre aber auch eine schöne Alternative gewesen.

Die 1250 GS hab ich bewusst nicht ausprobiert, weil die noch zu neu und zu teuer ist. Soll aber auch deutlich anders als die 1200 GS zu fahren. Aber ist halt auch wieder BMW. Hat jeder und ist nichts besonderes mehr.

Dann bin ich an einem Freitag endlich mal viele andere Moppeds gefahren. Die sind hier auch in der Bildergallerie aufgezählt. Nämlich die Africa Twin 1100 als normaler und später auch als Automatik. Die normale ist ganz OK, aber da war ich schon auf den ersten Metern im Begrenzer drin. Ansonsten ist se recht ordentlich aufgebaut und fährt sich wieder wie ein Fahrrad. Ist halt auch eine Enduro, die Spaß macht und nicht umsonst Africa Twin heißt. Die Automatik Variante ist aber dezent gesagt wirklich gewöhnungsbedürftig und überhaupt nicht mein Fall. Die Automatik schält relativ gut hoch, aber wird man einmal langsamer ist bei 50 km/h immer noch der 5. Gang und die Karre fängt beim Gasgeben an zu stottern. Gut, es war wie gesagt auch nur eine kleine Probefahrt über 20 Kilometer, aber mich hat es da nicht überzeugt.

Zwischendrin bin ich dann die Tiger 1200 mit Kardan, Quickshifter gefahren und ich hab gleich gedacht. Ja geil, so eine will ich haben. Die hat mir gleich Spaß gemacht. Allerdings hab ich erstmal gehadert wegen dem Preis. Am Ende hab ich mich aber für so eine entschieden. Nun aber in der „Gelände“ Version mit Speichenrädern und etwas mehr Schutz, Reifenkontrollsystem und schwarzen Koffern. Wenn ich se habe, gibts einen eigenen Beitrag hier.

Nach der Tiger bin ich dann noch eine Versys 1000 gefahren. Jo die macht auch Spaß. Aber fand ich jetzt nicht spannend. Fährt sich wie meine Bandit. Also gut und solide. Ein guter 4-Zylinder eben, etwas bessere Sitzposition, aber dann doch nicht so spannend für mich. Aber ist auch eine Erfahrung wert. Man muss ja auch wissen, was man nicht haben will. :)

Eigentlich hatte ich dann noch die V-Strom und eine größere GS auf meiner Liste. Aber eine GS wollte man mir irgendwie nicht zum Fahren geben. ;) Und eine Super Tenere wäre noch was gewesen. Aber letzten Endes sind es alles auch wieder 2 Zylinder und die haben eben das Problem mit dem Drehzahl Begrenzer. Also hab ich darauf verzichtet.

Weil aber viele Leute immer von KTM schwärmen hab ich noch die KTM 1290 Super Adventure ausprobiert. Die stand ganz neu beim Händler mit 140 km. Aber das war vielleicht auch der Fehler. Die Kiste war nicht eingefahren und beim Gas geben musste ich immer erst 1 Sekunde warten bis man ein Feedback kam und es vorwärts ging. Joa, sie macht Spaß und definitiv Power. Aber gemerkt hab ich davon nicht so richtig viel. Bei 160 hat vorne alles geflattert und der Begrenzer war richtig schnell erreicht. Der endgültige Beweis, dass ich einfach keine 2-Zylinder brauche.

Letzten Freitag bin ich dann nochmal abschließend zum Triumph Händler gefahren um die Tiger 1200 nochmal in hoher Sitzposition zu fahren. Das hat meinen Eindruck nochmal bestätigt. Selbst bei Regen fühle ich mich auf dieser Kiste recht sicher. Gut, vielleicht nicht mehr die allerhöchster Schräglage, aber es rutscht kein Reifen weg und der Regenmodus macht den Rest dazu. Und hey es ist ein 3-Zylinder. Gut von unten heraus und nach oben hin wieder mehr Reserve zum Drehzahlbegrenzer hin. Und einfach viel Platz um Koffer dran zu machen und bei Bedarf auch ein Zelt. Im Tiger Forum hab ich auch mal reingelesen und sogar viele GS Fahrer sind mittlerweile auf die Tiger umgestiegen. Das spricht auch für sich, weil BMW ja nicht unbedingt schlechte Motorräder baut. Nur eben gibt es sie mittlerweile zu oft und damit wird’s langweilig.
Und hey mit dem Auspuff ist die Tiger sogar Tirol fahrfähig. Nur 92 dB.

Soviel mal zu meiner kleine Odisey mit den Probefahrten. Und jetzt freu ich mich auf nächsten April wenn ich dann endlich meine Tiger richtig ausfahren kann. Meine Bandit macht auch noch Spaß, aber für Reisen ist sie einfach nicht geeignet. Dafür nächstes Jahr mal auf die Rennstrecke damit. Darauf freu ich mich auch schon…

Vogesentour 2020 gefahren

Nachdem ich letzte Woche noch die Tour in die Vogesen angekündigt habe, gibt es hier einen kleinen Bericht. Erstens die Vogesen sind wirklich ein sehr geiles Gebiet wenn man Kurven fahren will und zumindest die Teile die wir gefahren sind, sind auch fast alles gute Straßen mit gutem Grip und wenig Split auf den Straßen. Ein kleiner Teil (wenige Kilometer) war mit Split gesäumt.
Am Freitag hab ich tagsüber noch gearbeitet, aber das war auch nicht so schlimm da es tagsüber auch gut geregnet hat. Diesmal bin ich bewusst ohne große Gepäckrolle gefahren, sondern hab einfach alles in meinen Tankrucksack gepackt. Regenkombi habe ich mir auch gespart, da es zumindest Samstag nicht regnen sollte. Am Freitag bin ich dann tatsächlich doch ein bisschen nass geworden, aber das war OK.

Für Freitag hat mir unser Tourguide eine schöne Strecke nach Badenweiler (die ich hier bis Fischbach gekürzt habe) rausgesucht. Um 14:45 Uhr bin ich dann von der Tankstelle auch endlich losgekommen. Ein etwas längeres Stück auf der Autobahn, aber dann die schönen Strecken im Südschwarzwald ab Schluchsee. Das war wirklich genial. Ich hatte diese Strecke mit Google Maps auf meinem iPhone gemacht und mir die Route per Headset im Helm ansagen lassen. Das ging soweit eigentlich auch ganz gut, aber leider hat Google Maps die blöde Angewohnheit, dass man an jedem Punkt anhalten muss und neu starten muss. Das hab ich bis zum Schluchsee durchgehalten, danach hat es doch erstmal krass geregnet, weshalb ich dort ein paar Minuten untergestanden bin. Als ich weiterfahren wollte, war das Netz an diesem Standort wirklich am Arsch. Ein Balken 4G, aber irgendwie keine Verbindung. Bin dann einfach mal weitergefahren und beim nächsten Halt (ca. 1 km weiter) bin ich nochmal angehalten und habe mit Calimoto weiternavigiert. Herausgekommen ist auch eine schöne kurvige Strecke. Minimal anders als die geplante Strecke von Google, aber doch recht schön. Und so war ich dann auf 18:45 Uhr am Hotel in Badenweiler. Die anderen waren schon um 9 Uhr morgens unterwegs und auch gerade mal 20 Minute vor mir dagewesen. Gut, sie haben auch einige Pausen gemacht und sind gemütlich durch den Schwarzwald gefahren. Ich hab mir von den 230 km, die ich abends auf dem Tacho hatte, auch einige Kilometer auf der Autobahn verbracht. So konnte ich mal testen, dass meine Bandit immer noch 240 km/h läuft. Die kleine Wartung neulich (neue Zündkerzen, neuer Luftfilter, neuer Ölfilter und neues Öl) hat es also gebracht. Schneller hab ich mich nicht getraut, da dann schon wieder das nächste Auto in Sichtweite kam. ;)
Nach kurzem Bierle am Hotel und Duschem im Zimmer sind wir noch ins Städtle und haben in einer Winzerstube gespeist. Dort gab es kein Bier und keine Cola, aber dafür gutes Schnitzel mit Bratkartoffeln und einen guten Chardonnay. Zumindest hat es für Wein Baunausen wie mich relativ gut geschmeckt. Danach sind wir aber noch in den Ratskeller um ein Bier und einen Willy zu trinken. Der Willy war nach den ganzen Slivovice mal wieder eine angenehme milde Überraschung. Kein Brennen. ;)

Am nächsten Morgen ging es dann weiter in die Vogesen. Ich bin dem Guide hinterhergefahren, aber habe die Strecke mit Calimoto (inklusive ein paar falschen Abzweigungen) aufgezeichnet. Hier muss ich sagen: Die Vogesen sind richtig schön zu fahren und es waren zumindest an diesem Samstag wenige Raser unterwegs. Ein paar Sportwagen waren unterwegs, die wir aber auch elegant überholt haben. Die Spitzkehren kamen am Anfang etwas überraschend, weil sie nicht so gut einsehbar sind. Aber nach der ersten hab ich mich schon dran gewöhnt und erwartet, dass da gleich wieder eine Kehre kommt.
Laut Calimoto hab ich zumindest an einer Stelle eine rechte Schräglage von 39,3° erreicht. Wie genau das ist, kann ich nicht beurteilen. Mein Handy war immer im Tankrucksack seitlich verstaut. Der Tankrucksack war relativ fest am Tank befestigt. Warum gerade rechts meine Lieblingsseite ist, weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht ein kleiner Reflex und eventuelle Nazis auf der Fahrbahn zu klatschen!
Die Route de Grete bis Straßbourg sind wir gefahren und dann wieder auf schnellem Weg nach Hause. Die Zuflucht haben wir auch mal wieder mitgenommen und ich habe mich schon gewundert, dass die Straßen so gut ist. Keine Schlaglöcher mehr. Irgendwie schon fast langweilig.
Dafür haben wir dann an der Kniebishütte noch was zu Abend gegessen. Das war nach einem langen Tag ohne große Zwischenstopps (nur was Trinken und Rauchen) aber auch irgendwie notwendig.

Die Tour hat mit meiner Bandit zumindest hochzus auch immer viel Spaß bereitet. Runterwärts war es dagegen oft eine Qual, weil hier der 4 Zylinder einfach gut schiebt und die Bremsen nicht so geil sind. Und manchmal muss man eben bremsen. Habe mindestens eine Kurve erlebt, wo ich ganz am Rand der Fahrbahn gefahren bin und schon meinte „Oh, gleich liegste wieder!“. Ist aber glücklicherweise nochmal gut gegangen. Keine Stürze. Eine Überholaktion war etwas krass. Die vor mir haben alle Autos überholt, dann wollte ich auch und ein Moppedfahrer kam entgegen und hat schon die Hand gehoben. Meine Mitfahrerin hinten dran hat auch schon gemeint: „Oh Tobi, das machste nicht nochmal. Ich hab euch schon zusammencraschen sehen!“ Aber auch hier gnädigerweise nichts passiert. Es war auch noch genug Platz für den anderen um ihn nicht an den Rand zu drängen.

Wie immer halt: Ich fahre sehr gerne, aber Bilder sind leider oft rar. Ein paar Gruppenbilder sind da, aber die poste ich hier nicht, weil ich die Leute drauf nicht gefragt habe. Trotzdem: In die Vogesen fahre ich definitiv nochmal. Ursprünglich war am Donnerstag noch kurz der Gedanke einen Tag dranzuhängen und am Sonntag noch weiterzufahren. Für mich war es am Samstag aber dann einfach auch anstrengend, weshalb ich mit den anderen nach Hause gefahren bin. Bis ich dahein war, waren es immerhin auch wieder 435 km und davon auch viele schöne Kurvenstrecken.

Die Evolution des Motorradfahrens

Meinen Motorradführerschein hab ich ja schon 2010 gemacht. Allerdings bin ich danach nie wieder gefahren. Bis dann 2016 mein Bruder zu mir kam und mit mir nach Norwegen fahren wollte. Also hab ich 2016 meine Bandit gekauft. Die Norwegentour war dann schon mal eine kleine Herausforderung. Mein Bruder hatte schon 10.000 Kilometer Fahrerfahrung und ich gerade mal 1000 Kilometer. Aber trotzdem hatte ich dann relativ schnell Ende September meine ersten 6000 eigegen Kilometer gefahren. Die Kette war am Arsch und mein Topcase hinüber. Die Kette wurde schnell gewechselt und ist auch schon wieder Geschichte, da letztes Jahr nach 20.000 Kilometer ich auf die Idee kam diese mal nachspannen zu müssen. War im Nachhinein doof. Aber so hab ich eben wieder was dazu gelernt.
Damals kamen zwei Punkte zusammen: Erstens ich konnte noch keine gute Schräglage fahren und die Reifen waren eher für die sportliche Fahrweise ausgelegt. Mein Vorgänger hatte den Pirelli Angel drauf, der sah nach der Tour in Norwegen sehr eckig aus. An den Außenseiten hatten sich Hupel gebildet, die ich erstmal wegfahren hätte müssen. Na gut, dann kamen neue Reifen drauf. Die Michelin Pilot Power waren schon etwas besser zu fahren, allerdings bei den ganzen Touren immer doof, da ich auch grundsätzlich im Regen fahre und sie da oft wegrutschten. Das hat mein Vertrauen nicht sonderlich verbessert. So wurde ich immer wieder besser und auch schneller, aber bei Regen hab ich mir immer noch eingekackt. Deshalb war die Tour 2018 nach Kroatien mit meinem Bruder deutlich besser. Ich bin deutlich leichter meinem Bruder hinterhergekommen. An manchen Kurven hab ich trotzdem noch Respekt davor gehabt. Er ist halt einfach drauflos gefahren und meinte im Nachhinein auch: „Hm manche Kurven war ich vielleicht auch zu übermütig. “ Aber so musste er nicht mehr 10 Minuten lang auf mich warten, weil ich einfach jede Kurve gekrochen bin, sondern relativ flüssig ihm hinterher. Trotzdem hatte ich auf dieser Tour immer noch den Sportreifen „Pilot Power“ drauf. Das hat sich an den Regentagen (also eigentlich jeden Tag der Tour ;) ) gerächt, da mein Reifen damit sehr oft in Kurven gerutscht ist.
Im Juli 2018 bin ich dagegen nochmals mit ein paar Leuten aus dem Motobike Forum nach Levico / Gardasee gefahren. Diesmal hatte ich aber bereits neue Reifen drauf. Nämlich den Michelin Road 5. Gut auf dieser Tour war oft auch einfach sehr gutes Wetter. Manchmal hatte ich dann auch noch etwas zu kämpfen gut hinterher zu kommen. Aber aufgrund vom Reifen hatte ich schon ein sicheres Gefühl. Auch in den Regentagen ist der Reifen kaum gerutscht. Nur an manchen Stellen. Daher kann ich nur empfehlen: Probiert die Reifen aus. Manche passen gut zu eurem Fahrstil (sportlich / tourig) und auch zum Motorrad.
2019 bin ich dann nochmals mit einem Feuerwehrkameraden eine Tour in die Nordtoskana gefahren. Das war wunderbar und schön von der Landschaft. Hier hatte ich mal aufgrund eines Rates eines Arbeitskollegen den „Continental Road Attack 2“ aufziehen lassen. Der Reifen hat schon vor der Tour richtig Spaß gemacht und ich bin damit gut gefahren. Später hat mein Kollege den Reifen nochmal angeschaut und meinte: „Stell doch mal die Dämpfung auf hart, dann läuft er sicher noch besser“. Das hab ich gemacht und seitdem kann ich viel besser fahren. Die Rückmeldung zur Straße ist nun deutlich direkter und der Reifen klebt auch förmlich auf der Straßen und jedem Untergrund. Und die Kanten sind ziemlich abgefahren. Nur noch 1-2 Millimeter fehlen bis zum Rand.
Das ich den Reifen liebe, beweist auch das Bild, dass nach einer Feierabendtour zur Erzgrube und wieder zurück entstanden ist. Der Reifen war durch relativ viel Autobahnfahrt nach Italien und ein paar Mal ins Geschäft mittig gut abgefahren. Also hab ich bei dieser Runde den Reifen nochmal etwas angegast und den Mitfahrern gezeigt, dass ich auch schnell durch die Kurven fahren kann. Fast am Ende meinten sie nur: „Hey Tobi, dein Hinterreifen ist ganz silber.“ Aber das coole war: Beim Fahren hab ich nichts gemerkt. Der Reifen hat einfach Grip ohne Ende gehabt. Seitdem bin ich glücklich und fahr auch relativ zügig. Beim letzten Reifenwechsel hab ich mal bewusst nur den Hinterrad gewechselt. Der vordere hatte ja noch Profil. Na gut 2000 Kilometer später kam der dann auch und sah wieder ähnlich aus. Ich weiß nicht genau, wie ich das immer geschafft habe. Der Reifenhändler meinte nur: „Naja gut schwäbisch abgefahren.“ Ist ja auch OK und vor allem eine Erfahrungssache. Bei den Pilot Power hab ich das nie geschafft. Die haben das Profil gefühlt bis zum Schluss gehabt. Den Road Attack 2 hab ich aber auch immer gut eingebremst. Und irgendwie scheint rechts meine Lieblingsseite zu sein. Dort ist sie vorne immer deutlich mehr abgefahren.

Fazit auf meiner Evolution vom Anfänger zum Fortgeschrittenen nach etwa 33.000 km in 3,5 Jahren:
– Richtigen Reifen finden durch ausprobieren. Aktuell für mich am besten: Conti Road Attack 2 EVO
– Fahrwerk ein bisschen einstellen: Gabel und Hintere Federung ist wie mein Vorgänger eingestellt hatte. Die Dämpfung hinten hab ich aber auf Hart gestellt. Perfekt.
– Fahren, fahren, fahren: Einfach mal losfahren und Wege ausprobieren und schauen wo man rauskommt. Wenn man einen groben Orientierungssinn hat, findet man mit den Schildern immer irgendwie nach Hause. Ansonsten mal anhalten und sich auf Google Maps orientieren.
– Leuten hinterher fahren und die Spur abschauen.
– Blickführung: Da wo ich hinschaue fahr ich auch hin. Wenn man eine Serpentine fährt, vielleicht schon mal nach oben oder unten schauen ob jemand entgegen kommt.
– Schräglage: Einfach ausprobieren was geht. Wenn der Fuß streift hat man eine gewisse Schräge erreicht. Wenn er sehr oft streift mit dem Arsch und Knie arbeiten um die Maschine etwas höher zu bekommen (Vorstufe zum Hanging Off).
– Sicherheitstraining: Hatte mal eins vom ADAC und ein Auffrischtraining. War ganz OK und brauchbar.
– Mit Drehzahlen fahren. Anfangs bin ich meine Bandit immer wie meinen Diesel gefahren untertourig. Schon im Frühjahr 2019 bin ich mal hochtourig gefahren und es war genial. Dieses Frühjahr dann mal die Maschine aus der Garage geholt und bei der ersten Steigung bei 150 km/h 9.000 U/min gehabt und noch den 3. Gang. Die Maschine packt es gut. Wenn beide Nadeln mittig oben sind hab ich 130 km/h und 6.500 U/min. Von den Maximalwerten jeweils die Hälfte. Das ist das Geniale an meiner Bandit: Ich kann sie gemütlich mit 2.500 – 3.000 U/min durch den Ort jagen um nicht unnötig Lärm zu machen. Aber auch mal den Motor hochprügeln. Ab 11.000 U/min bis 13.000 U/min ist der rote Bereich. Den werde ich wohl nie ausfahren, aber bis 10.000 U/min ist halt auch mal cool, besonders wenn es bei einem Überholmanöver etwas knapp wird.
– Immer so vernünftig fahren, dass man auf seiner Seite bleibt und mit Fehlern von anderen rechnet. Manchmal kommen Motorradfahrer auf der eigenen Spur entgegen. Das ist sehr nervig.
– Auf sich selbst achten: Es gibt Tage, da passieren ständig Fehler beim Fahren. Dann lieber ne Pause machen und wieder nach Hause fahren oder zumindest angepasst.

Gute Fahrt und immer ne Handbreit Asphalt unterm Reifen.