Von Anfang Januar 2025 bis Anfang März 2025 war ich nun in Aulendorf in einem Fachkrankenhaus für Psychosomatik. Ich bin dort auf eigenen Wunsch hin, weil ich letzten Herbst eine recht lange Zeit für Suizidgedanken zu kämpfen hatte. Das Gute war, dass mir nach dem ersten Eingestehen, dass ich Hilfe brauche, erstmal viel Last abgefallen ist. Ich wurde vom Einsatzdienst in der Feuerwehr befreit und auch viele Zusatzaufgaben, die ich bis dato gemacht hatte, konnte ich erstmal abgeben. Dann waren von November bis Ende Dezember relativ "stressige" 2 Monate, weil ich öfter mal zum Arzt musste und zur AOK und später zum Psychotherapeuten. Doch dann ging es recht schnell. Anfang Dezember den PTV-11 Bericht und eine Einweisung nach Aulendorf geschickt, paar Tage danach ein Papierberg bekommen, den ich ausfüllen musste. Ende Dezember dann die Zusage, dass ich zum 9. Januar in die Klinik darf.
Soweit so gut. Als ich dann am 9. Januar runtergefahren bin, hatte ich einen schönen Sonnenaufgang vor mir. Schöne Kurven auf den Landstraßen von Balingen und den unzähligen kleinen Dörfern. Aber trotzdem waren die ersten Tage sehr gewöhnungsbedürftig. Einige haben von Panikattacken oder Angstattacken berichtet oder in den ersten Gruppenstunden von Problemen im Job, nervige Eltern oder sehr angespannte Familienverhältnisse. Bei mir war dies zum Glück alles nicht so der Fall. Klar ich war an dem Punkt wo ich dachte, dass ein Sprung vom Rathaus eine gute Idee wäre. Selbst in der Gewissheit, dass dies für die Feuerwehrangehörigen ein Scheißeinsatz werden würde. Aber im Nachhinein war dies wohl eher ein Ausweg um endlich mal die ganzen Aufgaben, Arbeiten, Verpflichtungen, unerfüllte Lebensträume, Erwartungen von außen oder auch Erwartungen an mich selbst los zu werden.
Nüchtern betrachtet mag dies vielleicht eine gute Idee sein. Im Zweifel überleb ich den Sprung nicht und bin tot. Dann ist alles vorbei für mich und die Konsequenzen sind mir dann auch egal. Die Hinterbliebenen, die Freunde, die Kameraden, sonstige Leute dürfen dann damit klarkommen. Eine recht egoistische Perspektive sowas im eigenen Ort zu machen. Die Außenwirkung wäre natürlich auch noch recht spannend: Ein Toter vorm Rathaus gibt es dann doch nicht soo oft.
Aber es gäbe natürlich auch immer noch ein Rest Ungewissheit, dass ich den Sprung überlebe und stattdessen dann mein Leben im Rollstuhl vor mich hin vegetieren darf.
Kurzum: Die Gespräche mit Leuten aus Feuerwehr, Freunden und Co. waren sehr hilfreich und schon ein guter Weg für den Heilungsprozess. Es kam einfach viel Verständnis rüber und auch Wertschätzung: "Jetzt schau mal nach Dir und such dir Hilfe, wir bekommen das schon auch so hin!" Das hat dann doch auch gezeigt, dass ich nicht nur der Tobi bin, der halt jede Arbeit erledigt, sondern auch noch ein Mensch bin und auch als Mensch wahrgenommen werde.
Als ich dann in der Klinik war, hab ich natürlich auch erstmal die anderen beobachtet. Durch Zufall am Mittagstisch hab ich gleich am zweiten Tag Leute gefunden, mit denen ich abgehangen habe. Jeder hat ja noch irgendwas gebraucht also sind wir dann gemeinsam zum Rewe gelaufen. So hat sich eine kleine Gruppe entwickelt, mit denen ich ich dann die 8 Wochen öfter mal abends verbracht habe. Anfangs auch mal unten im Tischtennisraum gewesen. War dann aber doch nicht mehr so meins. Saßen dann aber öfter mal im Wohnzimmer. Da gab es Puzzles, Tee und Kaffeeautomaten und eben einige Sitzgelegenheiten wo man gut und recht einfach mit Leuten ins Gespräch kommen konnte.
Doch auch nach 2 Wochen hab ich mich gefragt: Was mach ich hier eigentlich. Klar ich kann wohl schlecht "Nein" sagen und hab deshalb immer recht schnell meine Aufgaben bekommen und auch wenn mal Probleme waren, die eigentlich nicht mein Thema waren, hab ich dann eben die Probleme gelöst. Aber innerlich hat mich das dann wieder sehr stark aufgerieben.
Deshalb war die erste Teamvisite recht spannend. Da ich ja in den letzten Jahren auch immer mal wieder Waffeln gebacken habe, war es eine naheliegende Idee, dass vielleicht auch in der Klinik zu machen. Also hatte ich das mal gefragt, da es ja auch eine Lehrküche gab, die gut ausgestattet war. Natürlich ging es am Ende nicht. Aber die Frage der anwesenden Pflegeleute war spannend: "Für wen wollen sie denn die Waffeln backen? Für sich und dann den Rest verteilen oder für die anderen?" Ich hab geantwortet, dass ich die Waffeln für andere backen will, sonst sind se mir ja zuviel. Dann wurde mal als Tipp gegeben, dass ich einfach mal Waffeln für mich backen soll oder übertragen aufs Leben: Nicht immer nur für andere was machen, sondern auch mal wieder was für mich. Das hat sich gut getroffen. Am Freitag in der Gruppe hab ich fürs kommenden Wochenende mal die Mittagessenbefreiungen für Samstag und Sonntag beantragt. War auch kein Problem. Ich wusste dann immer noch nicht genau, was ich machen will, aber es war klar: Irgendwas wird es sein. Und so hab ich einfach mal die Wurzbacher Ried, später noch das Feuerwehrmuseum in Riedlingen und nachmittags noch meinen Cousin besucht. Das war schon ein guter Tag. Weil ich so mal wieder alleine in der Natur war und wirklich die Dinge gemacht habe, die mir Freude machen. Am nächsten Tag war ich dann noch am Federsee und dem Wackelwald. Auch ein schöner Zeitvertreib.
Die anderen Tage hab ich dann öfters damit verbracht auch mal die Gegend zu erkunden. Irgendwas gab es ja dann doch immer zu erkunden...
Und irgendwie hat es mich dann auch öfters mal gereizt auch den Geräteraum abends noch zu benutzen. Einfach ein bisschen körperliche Erschöpfung herbeiführen und somit versuchen leichter zu werden und Kraft aufzubauen. Hat nicht immer geklappt.
Das andere spannende war, dass ich vor meinem Klinikaufenthalt eine Frau über so eine Online Dating Plattform kennengelernt habe. Da ich erstmal in der Klinik war und somit auch leicht abgeschieden von der Außenwelt, war ein Treffen nicht so leicht möglich. Aber dann haben wir uns im Februar doch mal durchgerungen uns zu treffen und ich muss sagen, dass hat mich durchaus beflügelt. So haben wir uns dann auch relativ schnell nach Ende der Klinik erneut getroffen und es weiterverfolgt. Leider ging es später doch abrupt zu Ende, aber so ist das eben mal im Leben. So 3 Monate später kam dann wieder eine Nachricht: "Hey Tobi, wollen wir es vielleicht doch nochmal versuchen?" Das war dann nicht die einfachste Entscheidung, aber dann probieren es eben nochmal und seitdem geht der Kontakt auch wieder natürlicher und unverkrampfter vonstatten. ![]()
Alles im allem hab ich dort in der Klinik viel mit Ruhe und Entspannung gelernt. Dinge, die ich jetzt im Alltag nicht mehr unbedingt umsetze. Aber als Kernessenz hab ich mitgenommen: Wenn mal was zu viel ist, auch mal die Ruhe zu nehmen. Wie man an meinem Blog vielleicht merkt, ist Musik für mich ein recht großes Thema im Leben. Es gibt eben immer wieder neue Musik zu entdecken. So hab ich zum Ende des Aufenthalts auch immer wieder entdeckt, dass abends jemand Musik macht. Sprich einen Beamer, 2 Boxen und viele bunte LED Lichter aufbaut und so einfach verschiedene Musik spielt. Da war von Schlager, Pop, Rock und Metal alles dabei. Sogar ein bisschen Techno und was man halt so braucht... Aber auch die Gespräche zwischendurch dort unten haben immer wieder gut getan.
So war ich dann mal 8 Wochen in der Klinik und es wäre sicherlich auch sinnvoll gewesen eine Wiedereingliederung zu machen. Leider war dies dann wohl doch nicht so einfach möglich. Aber um nicht gleich wieder die neu gewonnene Ruhe nicht gleich wieder in Stress ausarten zu lassen, war ich danach doch nochmal 2 Wochen daheim. Danach war es auch irgendwie wieder ok und schön zur Arbeit zu kommen. Die Leute scheinen mich ein bisschen vermisst zu haben.
Die Zeit danach war dann trotzdem noch recht entspannt. Ich hatte mir extra noch Zeit gelassen mit der Feuerwehr. Erst gegen Ende Juni bin ich wieder richtig aktiv zu Einsätzen gegangen. Das hab ich dann auch wirklich mal wieder vermisst. Auch das Lieblingsthema "Fireplan" mach ich wieder weiter. Aber ich lass mich nicht mehr so tief einspannen. Inhaltlich machen es nun die Verantwortlichen. Ich bin da eher nur noch beratend tätig. Das tut auch gut und schont etwas die Nerven. Trotzdem möchte ich das Projekt nach wie vor vorantreiben.
Insgesamt hat es aber vieles gebracht mal wirklich eine gewisse Zeit lang komplett raus aus dem Alltag zu sein. Keine Verpflichtungen und trotzdem die große Freiheit mehr oder weniger sich die freie Zeit gut einzuteilen. Das war jedenfalls eine gute Erfahrung. Und eben auch immer mal wieder mit den Leuten zu reden.
Von dem her: Solltet ihr auch mal in der Situation sein, dass es euch physisch nicht mehr so wirklich gut geht und Hilfe braucht. Geht zum Arzt und schaut, dass ihr vielleicht mal in eine Klinik kommt. Je nach Krankheitsbild kann dies sehr zielführend sein. ![]()