Wie steht es um meine Zukunft?

Ganz klar: das weiß nur Gott.
Und ich werd‘ es auch bald erfahren…
Nachdem ich den Sporttest des Auswahlverfahrens zum mittleren Dienst der Landespolizei Baden-Württemberg letzten Donnerstag erfolgreich bestanden und ich mich danach noch beim multimodalen Interview von meiner authentischsten, sympathischsten und ehrlichsten Seite gezeigt habe, steht nun als nächster großer Schritt das Zentral-Abitur an, das ich in den Fächern Informationstechnik, Mathematik, Deutsch, Religion und als mündliches Prüfungsfach Computertechnik zu bewältigen habe.

Doch um den Wiederholungstest bei der Polizei noch einmal Revue passieren zu lassen:

Der Tag fing total gut an, weil ich mich richtig ausschlafen konnte. Da ich erst zum Sporttest um 10:30 Uhr in der Polizeibereitschaftsdirektion Böblingen erscheinen musste, hatte ich außerdem noch genug Zeit, ausgiebig zu frühstücken und so richtig wach zu werden. Dabei erinnerte ich mich natürlich auch an den großen Fehler, den ich beim letzten Mal begangen habe: ich hatte zu wenig gegessen, was dazu führte, dass ich beim Sporttest ziemlich schnell an meine Grenzen kam – was sich vor allem in Form von Seitenstechen bemerkbar machte.

Während ich so am Frühstückstisch saß, um mir mein Honigbrot in den Mund zu schieben, prägte ich mir nochmals meinen „Spickzettel“ ein, den ich mir in den Tagen zuvor anfertigte, da ich vor dem multimodalen Interview doch etwas Bammel hatte. So machte ich mir eben einfach nochmal Gedanken über meine Stärken und Schwächen und besinnte mich vor allem darauf, weshalb ich diesen Beruf, der ganz anders als alle anderen ist, unbedingt haben will.

Als ich dann pünktlich (eine halbe Stunde vor Beginn des Sporttests) ankam, wollte ich mich nach dem Einfahren in die ehemalige Kaserne, die heute die Bereitschaftspolizeidirektion darstellt, anmelden, wie ich es beim letzten Mal auch tat. Doch ich traf eine sympathische junge Dame an, die es sich vermutlich gerade irgendwo gemütlich machen wollte, um den einfahrenden Verkehr zu beobachten, da sie eine Tasse Kaffee und eine Zeitung in der Hand hielt.
Als ich mich gerade mit meinem Einladebrief ausweisen wollte, fiel mir ein, dass ich an wirklich alles gedacht hatte – bis auf die schwindelerregende Tatsache, dass mein Geldbeutel noch zu Hause lag, in dem unter anderem auch mein Personalausweis aufzufinden ist. Doch die junge Dame leitete mich sowieso weiter und so stand ich dann als nächstes vor der Theke des Service-Centers, die mich an ein Büro weiterleiteten, das nicht besetzt war. Also wieder zurück zum Service-Center, wo ich nun erst mal warten musste, da keiner wusste, wo man mich hinschicken sollte. Letztendlich musste ich mich überhaupt nicht ausweisen und wartete wie beim letzten Mal in dem Warteraum für die Bewerber.
Hätte ich von Anfang an gewusst, dass ich mich nicht unbedingt ausweisen muss, hätte ich auch gleich in den Raum gehen können, da ich ja noch vom letzten Mal wusste, wo er sich befindet.

So konnte ich dann eben nur noch ein paar Minuten vor dem Test zur Ruhe kommen, um mich zu besinnen. Doch als ich in den Warteraum eintrat, saßen dort schon die ersten, die den schriftlichen Test bestanden hatten (also die Bewerber, die zum ersten Mal da waren und nicht, wie ich, zur Wiederholung erschienen). Aus meiner Sicht sahen die alle älter aus, als diejenigen, die ich beim letzten Mal antraf. Wir kamen auf Anhieb miteinander ins Gespräch und so hat man festgestellt, dass wir alle füreinander sind, auch wenn wir ja eigentlich Rivalen sind und jeder um eine Ausbildungsstelle kämpft.

Und dann ging’s endlich rüber in die Sporthalle, wo wir alle nach dem Umkleiden erst 12 Minuten zum Aufwärmen Zeit hatten und dann nacheinander zum Koordinationstest antraten. Das war der Part, den ich beim letzten Mal wegen 0,2 s vermasselt habe. Ich hatte jedoch ein gutes Gefühl, da ich die letzten paar Wochen den Parcours nach dem Sportunterricht in der Sporthalle aufbauen und üben konnte, wobei mir meine Sportlehrerin noch einige gute Tips gab, wie ich noch schneller werden konnte. Und so viel mir dann schließlich ein Stein vom Herzen, nachdem mir bekanntgegeben wurde, dass ich mit 14,6 s (von max. 17,0 s) die Hürde von mir genommen habe. Auch alle anderen bestanden diesen Part.

Als nächstes folgte der Schnelligkeitstest, den ich mit 11,6 s bestand (von max. 13,2 s). Und auch hier bestanden alle anderen. Eine allgemeine Heiterkeit war die Folge.

Als es dann jedoch zum Ausdauertest überging, versagte gleich der gesamte erste Durchgang, der sich aus drei Jungs und einem Mädel bildete. So kam auch bei uns, dem zweiten Durchgang (mit mir zwei Jungs und zwei Mädels), so langsam die Versagensangst hervor und wir wurden immer aufgeregter. Doch – welch ein Wunder – wir bestanden alle.

Eine Dreiviertelstunde später war dann das multimodale Interview als nächster Tagesordnungspunkt dran. Erst wurden die anderen drei von drei verschiedenen Beamten/innen abgeholt, bis auch mir ein kräftiger Beamter den Weg zu seinem Büro zeigte. Dort niedergesetzt, durfte ich erst meinen Lebenslauf kurz in 5 Minuten zusammenfassen, dann Fragen zu meiner Zukunft beantworten, meine Stärken aufzeigen und noch persönliche Fragen zu meinem Charakter beantworten, Bsp.: „Wenn Sie eine Entscheidung treffen müssen, die große Konsequenzen auf die weitere Zukunft hat: treffen Sie diese spontan oder mit längerer Bedenkzeit?“ –> Klare Antwort von mir: ich denke nach und handle erst dann.

Diese Antwort hielt er mir im Laufe des Gesprächs dann vor, als er das Beispiel brachte, dass, wenn ich mich in einer Situation befinde, in der es um Leben oder Tod meinerseits geht, sprich, wenn ich mit einer Waffe bedroht werde und ich meine auch in der Hand halte, ich nicht erst Zeit hätte, lange darüber nachzudenken, sondern die Entscheidung routinemäßig gefällt werden müsste. Doch für solche Situationen spielt natürlich die eigene Berufserfahrung eine große Rolle – und die werde ich erst noch sammeln.

Als nächstes gab er mir dann einen kleinen Einblick aus seiner Berufserfahrung, in dem er mir auch einige negative Seiten des Polizeiberufs aufzeigte. Dazu gehört z.B., dass ich nicht immer feste Arbeitszeiten genießen kann und auch mal Abstriche in meiner Freizeitplanung machen muss. So kann es auch mal sein, dass ich zwei oder drei Wochenenden nacheinander zusätzliche Schichten einlegen muss und somit keine Zeit für meine Freunde oder meine Familie habe. Dabei würde dann auch schnell ersichtlich, wer meine wahren Freunde seien – alle anderen würden ziemlich schnell den Kontakt zu mir abbrechen.

Ein anderes Beispiel ist die Gefahr, dass es mich psychisch stark mitnehmen könnte, wenn ich die erste ermordete Leiche zu Gesicht bekomme. Außerdem wird von mir verlangt, dass ich schnell selbstständig in meinen Entscheidungen werde und so Verantwortung übernehme.

Ich fand gut, einen weiteren Einblick in den Polizeialltag zu bekommen und kann mich noch an den ersten Satz erinnern, den mir der Beamte zusprach: „Ich will nichts anderes mehr machen, aber würde es nie jemand anderem empfehlen.“

Nichts desto trotz steigt meine Sehnsucht mehr und mehr, endlich wissen zu dürfen, dass ich die Ausbildungsstelle habe. Denn zur direkten Einstellung hat es mir nicht gereicht. Ich bekomme etwa in einer Woche Post, in der mir meine Bewertung der Tests mitgeteilt und ein Termin zu meiner ärztlichen Untersuchung mitgeteilt wird.

Das Streben nach Weisheit beginnt mit dem aufrechten Verlangen, etwas zu lernen.
(Die Bibel: Das Buch der Weisheit, 6.17)

Über den Autor dieses Artikels: Micha

Bruder von Tobias, hat mehr als einen Vogel in seinem Zimmer und spielt gerne Keyboard. In seiner Freizeit zeigt er auch den Kindern in der Jungschar, wo es lang geht.

12 Antworten zu “Wie steht es um meine Zukunft?”

  1. Du wirst wie so viele Polizisten enden: Psychisch kaputt und mit einem Alkoholproblem.

    (Obwohl ich manchmal glaube, dass dieser Zustand eine Grundvoraussetzung für die Einstellung bei der Polizei ist.)

  2. Xanni sagt:

    Ich finds gut. Ich mag Männer in Uniform.
    Drücke dir auf jeden Fall die Daumen.

    Ach Micha, lass dir gesagt sein: Ne Zusage beim ÖD bekommst du erst eine Woche vor deinem 1. Tag. War bei mir nicht anders. Ich bin jetzt 20 Jahre im ÖD und es hat sich keinen Scheiß geändert.

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