Tiger 1200 Desert lernt die Straße von unten kennen

Letzten Freitag wollte ich gleich morgens nach Stuttgart in die Werkstatt. Da es kalt war, habe ich mir extra noch einen Pulli unter die Kombi angezogen. Alles gut soweit, so hab ich nicht gefroren. Dass die Straße bei 0 Grad aber auch noch etwas glatt sein könnte, hab ich getrost ignoriert. Deshalb kam es wie es kommen musste. Ich bin gleich bei der ersten Kreuzung wo ich abbiegen wollte seitlich weggerutscht und in ein entgegenkommendes Fahrzeug gerutscht. Der vordere Blinker ist defekt, die Vorderbremse scheint auch was zu haben und sehr viel Verkleidung ist kaputt. :(
Gut ich wollte ja wie gesagt eh in die Werkstatt weil noch Teile gefehlt haben, die ich letztes Jahr beim Kauf mitbestellt hatte. Aber jetzt bleibt se erstmal ein bisschen länger dort.
Der Motorschutzbügel hat seinen Dienst getan, denn der Motor hat keine Schrammen abbekommen. Für oben gäbe es noch einen Sturzbügel, den ich natürlich nicht hatte. Vielleicht hätte ich damit ein paar Verkleidungsteile retten können.

Personenschaden ist keiner passiert. Das Auto hat vorne am Kotflügel eine kleine Schramme. Mein rechter Ellenbogen hat auch eine Schramme abbekommen. Ich bin nur froh, dass ich letztes Jahr doch eine Vollkaskoversicherung gemacht habe. Sonst wäre meine Verärgerung deutlich größer. So wird nun hoffentlich der Schaden durch die Versicherung ersetzt und ich habe eben meine Selbstbeteiligung. Nervig, aber was lernen wir daraus: Wenn im April noch kalt ist, lieber nicht fahren oder sehr vorsichtig. ;)
Ist halt etwas tricky, wenn vor Ostern noch strahlender Sonnenschein und ich die ersten 800 km mit relativ großer Schräglage gefahren bin und dann plötzlich doch noch der ungewohnte Frost kommt. Ganz klar ein Fahrfehler. Das Display hat ja extra noch gewarnt: „Es isch kalt, vorsichtig! ;)
Jetzt mach ich eben mal eine kleine Motorradpause, aber es ist ja gerade eh kalt.

Erste 800 km mit meiner Tiger 1200 Desert

Ab dem 1. April durfte ich nun endlich mit meiner neuen Tiger 1200 Desert fahren. Zuerst hatte sie leider etwas Startschwierigkeiten, weil ich sie im Februar mal habe laufen lassen aber nicht gefahren bin. Aber einmal kurz Starthilfe gegeben und sie lief wunderbar. :)
Deshalb bin ich am Donnerstag mal die übliche Route gefahren. Erzgrube, Ruhestein, Herrenwies runter, Rote Lache, Schloss Eberstein und wieder zurück über die Rote Lache (die ich dann nochmal hoch und runter gefahren bin) um über Achern nach Oppenau zu kommen. Dabei hab ich eine Nebenstraße entdeckt und bin an den Allerheiligen wieder rausgekommen. Dann noch die Zuflucht hoch und irgendwann war ich wieder zufrieden daheim. Der 3-Zylinder ist einfach genial. Die Tiger legt sich wie ein Fahrrad in die Kurven und der Kurven sagt beinahe: „Los komm schon, da geht noch mehr.“
Ich bin mir nicht ganz sicher wie gut die Reifen nun schon eingefahren sind, aber der kupferfarbene Streifen an den mittleren Seiten ist endlich wieder weg. Der Reifen ist trotzdem noch sehr glatt und kaum rau. Aber wenn die Zahlen von Calimoto stimmen ist doch eine ordentliche Schräglage dabei gewesen. Das Handy ist mittig am Lenker montiert, also normalerweise recht gut positioniert.
Das Wenden ist noch etwas schwierig, da sie doch recht schwer ist und ich es noch nicht ganz raus habe sie eng zu führen. Es sollte aber machbar sein. Die Sitzposition ist aber genial. Kaum gebückt. Die Hände könnte minimal noch etwas erhöht sein, aber das lass ich vielleicht auch einfach so. Der Aufwand für eine Lenkererhöhung kostet auch wieder Geld.
Vom Fahren ist die Maschine einfach genial. Man hat echt in jedem Drehzahlbereich sofort Leistung. Klar in den Kurven im Wald fährt man auch mal gerne den 2. Gang aus und ist dann auch mal kurz bei 9500 U/min. Es ist aber auch gut möglich jemanden im 5. Gang bei läppischen 2500 U/min zu überholen. Die Kiste hat immerhin 122 Newtonmeter bei 141 PS und 1215 ccm. Zum Vergleich meine Bandit hat 98 PS und 91 Newtonmeter bei 1157 ccm. Gewichtsmäßig liegt die Tiger bei 270 kg und die Bandit bei 230 kg.
Der einzige Unterschied: Mit der Bandit bin ich ruckzuck bei 180 km/h gewesen und hab es kaum gemerkt. Mit der Tiger will ich eher gemütlicher bis maximal 160 km/h fahren. Dafür ist die Tiger in den Kurven deutlich angenehmer. Sie legt sich einfach gut rein und dank dem Blibber macht das Schalten auch richtig Spaß. Einfach nur Hochschalten und weiter Gas geben. Geht rein wie Butter.

Am Samstag wäre normalerweise wieder ein Baustellentag gewesen. Aber da mir kurzfristig abgesagt wurde, dass keine Hilfe gebraucht wird hab ich spontan eine Runde in den Schwarzwald runter bis Wolfach gemacht. Erstens bin ich da unten doch eher selten und zweitens gibt es dort neben dem Schmalzer Hüsli (ein schönes Restaurant, wo ich leider nie einkehren konnte) auch einen sehr coolen Pass. Von Oberwolfach in Richtung Oberprechtal geht es dann in Richtung Elzach und später nach Schonach. Das ist einfach gigantisch toll. Mittendrin gibt es auch ein leckeres Restaurant, aber wegen Corona ist aktuell ja leider alles geschlossen.
Dafür habe ich in Wolfach mal angehalten und mir ein Eis gegönnt. Dabei bin ich mit ein paar Schweizern ins Gespräch gekommen. Sie wollten ursprünglich auch mal eine Triumph kaufen. Aber weil der BMW Händler näher war, haben se sich doch für eine BMW GS entschieden. Ich weiß nicht, schlecht sind die GS alle nicht. Aber erstens hat se halt jeder und zweitens find ich den Motor echt bescheiden. Der ruckelt beim Schalten immer so stark und ist halt ein Zweizylinder. Mir macht der 3-Zylinder einfach mehr Spaß und man sieht die Triumph tatsächlich seltener. Die GS Fahrer waren aber auch offen für andere Moppeds. Einer hatte vorher eine MT-09 gefahren und war auch zufrieden. Fürs Touren ist der Kardan aber halt doch angenehmer. Keine Kette mehr schmieren. ;)
Egal was jeder fährt: Es muss zu einem passen und man muss mit der Maschine klar kommen. Egal ob das nun eine Rennsemmel, ein Sofa (Harley), Einbauküche (Goldwing) oder eben eine Reiseenduro (Africatwin, GS oder ne Tiger). Alle haben ihre Vor und Nachteile und machen auf ihre Art Spaß.
Am Ende des Tages lohnen sich auch immer wieder Probefahrten. Selbst mein Bruder der mit seiner RT super zufrieden ist meinte zu meiner Tiger: „Ui die Gänge gehen ja butter weich rein.“ Ich kam mit seiner RT auch gut um die Kurven, aber die Schalterei war doch wieder etwas anstrengend. Kupplung ziehen, hochschalten, kurzes Gewackel.

Egal: Ich will dieses Jahr noch einige Motorräder mal Probefahren. So eine Trident 660 hätte was oder eine Speedtriple. Oder mal die R18 von BMW oder eine GS 1250. Und wenn alles klappt muss ich mal die RSV4 von meinem Nachbarn fahren. Einfach um zu sehen wie schwer die sich tatsächlich fahren lässt.

Das beste Motorrad nützt aber nichts wenn man nicht fahren kann. Ich muss mich weiterhin trauen in die Kurven zu fahren. Das geht mit der Tiger deutlich einfacher. Sie ist größer und hat einen besseren Neigungswinkel und mehr Bodenfreiheit. Trotzdem merk ich bei Regen oder leichter Feuchte immer noch wie ich stark bremse. Das ist dank ABS nicht mehr so krass schlimm, aber verhindert am Ende auch keinen Sturz wenn ich nicht mehr loslassen würde. Daher: Fahren und auch mal kleinere Kreise fahren um das Motorrad gut kennenzulernen.

Viel Spaß beim Fahren. Ich werde meinen Spaß nun ein paar Jahre mit der Tiger haben. Mal schauen vielleicht sind ja auch mal 45 Grad Schräglage drin. Die Reifen „Metzeler Tourance Next“ passen jedenfalls super zur Tiger bei Straßen mit leichten Schlaglöchern.

Motorradfahren in Gruppen

Wenn ich Motorrad fahre, dann gerne mal in Gruppen. Deshalb hab ich mich immer wieder mit verschiedenen Gruppen verabredet. Einerseits um Strecken kennenzulernen, andererseits weil sich meine Bekanntschaftskreise nicht immer überschnitten haben. Die einen waren in der Feuerwehr, die anderen auf der Arbeit. Und dann hat sich noch eine Gruppe gegründet, die sogar einen monatlichen Stammtisch hatte und nach der Corona Pause auch sicher wieder hat. Hier haben sich dann ein paar Fahrer und Fahrerinnen herausgebildet, die regelmäßig fahren und sich auch gut verstehen.
Das Spannende ist halt auch: Jede Gruppe fährt irgendwie doch wieder anders. Die einen fahren schnell, andere nehmen wieder mehr Rücksicht und fahren daher langsamer. Einmal hab ich zusammen mit jemand anderem eine Ausfahrt organisiert und das war dann am Ende doch etwas doof. Einfach auch weil die Leute, die ich mitgebracht habe spät dazu kamen und der Kollege nochmal jemand mitgebracht hatte, von dem ich nichts wusste. Danach hab ich die Gruppe in der Mitte überholt und naja es war einfach sehr chaotisch. :( Aber gut, Fehler passieren und wenn man sie anspricht kann man daraus lernen. Das hab ich mit dem Guide danach auch getan.

Ein paar dieser Punkte kann man auch hier sehen. Playing Well With Others: 18 Group Riding Tips
Falls ihr also in Gruppen fahrt, respektiert den Guide und haltet euch an seine Regeln. Und respektiert generell die anderen Menschen um euch herum. Wir Motorradfahrer sollten positiv auffallen!

Motorrad – Eine Hommage

DER TRAUM, DEN MANCHE NICHT VERSTEHEN:
Ich habe ein Motorrad für einen persönlichen Traum gekauft. Eines Tages, wenn ich sehr alt bin und nicht mehr laufen kann, wird sie in meiner Garage sein wie eine Trophäe meiner Erinnerungen.
Ich habe Leute getroffen, die mir etwas beigebracht haben und den gleichen Geist teilen.
Ich bin nass geworden,
Mir war kalt,
Und mir wurde heiß,
Ich hatte Angst,
Ich bin ihr am Boden entkommen,
Und ich habe sie hochgehoben,
Manchmal habe ich im Helm laut gelacht.
Ich habe tausendmal mit mir selbst gesprochen.
Ich habe gesungen und vor Freude geschrien wie verrückt
Ja… und manchmal habe ich geweint.
Ich habe wunderbare Orte gesehen und unvergessliche Erfahrungen gemacht.
Ich habe oft Kurven gemacht, auf die ich stolz war, manchmal habe ich etwas gruselige Kurven gemacht.
Ich habe tausend Mal angehalten, um eine Landschaft zu sehen.
Ich habe mit perfekten Fremden gesprochen und die Leute vergessen, die ich jeden Tag sehe.
Ich bin mit meinen Dämonen drinnen ausgegangen und bin mit absoluter Frieden in meinem Herzen nach Hause gegangen.
Ich habe immer darüber nachgedacht, wie gefährlich das ist, weil ich weiß, dass der Sinn für Mut darin besteht, voranzukommen, selbst wenn ich Angst fühle.
Jedes Mal wenn ich auf meine Maschine steige, denke ich wie wunderbar das ist.
Ich habe aufgehört, mit denen zu reden, die es nicht verstehen (sie verstehen einfach nicht) und habe durch Gesten gelernt, mit anderen Motorradliebhaber zu kommunizieren.
Ich habe Geld ausgegeben, das ich nicht hatte und viel aufgegeben habe, aber all diese Dinge sind nicht einmal einen Moment ohne mein Motorrad wert.
Es ist kein Transportmittel oder ein eisernes Stück mit Rädern, es gehört zu meiner Seele, meinem Verstand. Das ist meine DNA. Falls ich jemals an dieser Leidenschaft sterbe, ich wäre bis zur letzten Sekunde am glücklichsten gewesen…
Auf dem Motorrad fahren….. Nur die Menschen, die sie lieben, verstehen es.
Ich liebe meine Freunde und ihre wunderbare Lebensfreude!
Und das Abenteuer geht weiter…